Leitfaden
Was kostet ein Praxisausfall? Eine Beispielrechnung mit deinen Zahlen
16. September 2026 · 6 Min. Lesezeit · Autor: Dentalagenten · fachlich geprüft am 16. September 2026
Im Netz kursieren Zahlen wie „5.600 Dollar pro Minute“ – die stammen aus Konzern-Rechenzentren und sagen nichts über deine Praxis. Seriös ist nur eine Rechnung mit deinen Zahlen. So geht sie.
Die Formel
Ausfallkosten = Behandlungsumsatz je Tag × Ausfalltage + Wiederherstellungskosten + Aufwand für Meldungen und Kommunikation + Folgekosten (Terminverschiebungen, Vertrauensverlust). Die ersten beiden Posten kannst du beziffern, die letzten beiden schätzen.
Beispielrechnung (gekennzeichnet, keine Statistik)
Annahme 1: Einnahmen je Zahnarzt-Praxisinhaber laut KZBV Jahrbuch 2025 (Berichtsjahr 2023): 677.900 € pro Jahr. Annahme 2: rund 200 Behandlungstage im Jahr. Daraus ergibt sich ein Beispielwert von etwa 3.400 € Einnahmen je Behandlungstag und Inhaber. Bei zwei Inhabern verdoppelt sich der Wert.
Annahme 3: Wiederherstellung. Sophos berichtet für das Gesundheitswesen 2025 durchschnittliche Wiederherstellungskosten von 1,02 Mio. US-Dollar – das ist ein internationaler Wert über Kliniken und Praxen aller Größen und nicht auf eine Einzelpraxis übertragbar. Für eine Praxis sind Technikerstunden, Neuinstallation, Datenrettung und ggf. Forensik realistisch im vier- bis fünfstelligen Bereich; setze hier den Stundensatz deines IT-Dienstleisters mal geschätzte Stunden an.
Annahme 4: Dauer. Sophos zufolge waren 2025 nur 58 % der betroffenen Gesundheitseinrichtungen binnen einer Woche wieder arbeitsfähig. Rechne konservativ mit fünf Behandlungstagen, wenn kein getestetes Backup existiert – und mit einem Tag, wenn es existiert.
Ergebnis der Beispielrechnung für eine Praxis mit zwei Inhabern ohne getestetes Backup: 2 × 3.400 € × 5 Tage = 34.000 € entgangene Einnahmen, plus Wiederherstellung, plus Meldeaufwand. Mit getestetem Backup: 2 × 3.400 € × 1 Tag = 6.800 € plus Wiederherstellung. Die Differenz ist der Wert eines Restore-Tests.
Was du daraus machst
Setze deine eigenen Zahlen ein: Umsatz je Tag aus der BWA, Behandlungstage aus dem Kalender, Stundensatz des IT-Dienstleisters. Dann entscheidet nicht Angst, sondern eine Rechnung, ob ein Backup-Konzept mit Restore-Test, ein Rechtekonzept und ein Notfallplan sich lohnen.
Zur Einordnung des Risikos: Laut Bitkom/BfV waren 2026 96 % der deutschen Unternehmen ab zehn Mitarbeitenden von Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage betroffen, jedes vierte von Ransomware. Für Praxen gibt es keine eigene Erhebung – die Mechanik ist dieselbe.